Der Goldene Kompass

April 8, 2011

Gestern lief im Fernsehen „Der Goldene Kompass“, den ich zumindest teilweise angeschaut habe. Mein Urteil in Kurzform verworren, bunt bebildert, inhaltsleer.

Wer Genaueres zum Inhalt wissen will, der kann diesen Wikipedia-Artikel lesen – wer danach verstanden hat, worum es geht, den beglückwünsche ich zu seiner schnellen Auffassungsgabe. Diese ist mir nicht zuteil geworden. Während sich z.B. bei Harry Potter die Story langsam entwickelt, so dass man ihr folgen kann, wird hier ein wahres Feuerwerk gezündet, dass den Betrachter nur blendet. Großartige Effekte, aber da man nicht so recht begreift, was das Ganze soll, sind die eben nur Oberfläche.

Wie viele Fantasy-Filme basiert auch der „Goldene Kompass“ auf einem Buch (namentlich einer Trilogie), weshalb ich empfehle, das erst einmal zu lesen. Vielleicht werden dann die Inhalte klarer…

Persönlich ist mir aufgestoßen, dass das Ganze irgendwie kopiert wirkt, wie eine große Mixtur aus dem Herren der Ringe, Harry Potter, Star Wars und ähnlichen Werken. In besagtem Wikipedia-Artikel war zu lesen, dass Autor Philip Pullmann sein Werk als Gegenentwurf zu den Chroniken von Narnia angelegt hat (und dafür von christlichen Fundamentalisten kritisiert wurde). Das merkt man irgendwie auch dem Film an, dass hier ein wenig die originären Ideen fehlen. Insgesamt also eher langweilig.


Die Grenze, Teil 2

März 17, 2010

Gestern lief nun Teil zwei des Fernsehfilmes und ich habe ihn mir wie angekündigt angeschaut. Sicher, es gibt an dem Werk allerhand zu kritisieren. Allerdings finde ich Vieles von dem, was da gesagt und geschrieben wurde als ungerecht. Die meisten Hollywood-Filme, auch die, die angeblich das normale Leben abbilden sind wesentlich unrealistischer. Bei deutschen Filmen wird da gern alles durch den Dreck gezogen, was bei den Amis ohne Probleme durchgeht. Auch nach Teil zwei muss ich sagen: Sicher war Manches überspitzt, absolut unmöglich jedoch nicht. Die Grenze war gute Unterhaltung und hat durchaus das Potential, zur Diskussion anzuregen. Der unselige Dresden-Film, der ebenfalls von den teamworx-Machern stammt, war hingegen eher ärgerlich, da einige Darstellungen an Geschichtsverfälschung grenzten. Insofern sollten sich die Herrschaften lieber an fiktive Stoffe halten, bei „Die Grenze“ haben sie ihre Sache ganz gut gemacht. Auch das Ende des Films war nicht zu fett aufgetragen, blieb doch die Frage offen, wie es weiter geht. Dass persönlich alles ins Reine kam, war selbstverständlich zu erwarten. Als Happy End in jeder Beziehung ließ sich das Ganze aber nicht verstehen. Die MeckVoPomm-DDR machte die Grenzen dicht und es war schon absehbar, dass sie am Tropf der Rest-BRD hängt und gar als Billiglohnland vor der Haustür dient. Die Rechten existierten weiterhin, der Ex-Diktator segnete das Zeitliche, doch an seine Stelle trat ein neuer Heiland. Mit anderen Worten – die Geschichte geht weiter…

Johannes B. Kerner ist zwar eine Hassfigur für mich (und auch für viele Bekannte), trotzdem sah ich mir seine Talkshow im Anschluss an. Viel Substanzielles kam dabei aber nicht heraus. Der Einzige, der wirklich etwas beizutragen hatte, war ein Staatsrechtler, der leider viel zu selten zu Wort kam. Interessant war zudem der Auftritt des Ex-Nazis, der von seinen Erfahrungen in der rechten Szene berichtete. So richtig konnte sich die Runde nicht entscheiden, ob der potentiell mögliche Wiederaufbau der Mauer oder die rechtsradikale Gefahr das Hauptthema sein sollte. Selbstverständlich lässt sich beides als Form der Demokrartieablehnung verstehen aber beide Themen sind viel zu umfassend, als dass man sie in so einer Runde mal eben schnell diskutieren könnte. Zu einer Aussage, ob die größere Bedrohung nun von „rechts“ oder „links“ kommt, ließ sich niemand hinreißen. Wenn man dann noch solche Gesprächspartner wie Axel Schulz einlädt, dann erst recht nicht. Mich hätte zum Beispiel eher die Meinung der Dame interessiert, die in der Vortagsdoku als Expertin für die Rechte Szene zitiert wurde.


Die Grenze

März 16, 2010

Die Ankündigung versprach ja wieder mal einen dieser albernen Reißer abseits aller Realität, trotzdem schaute ich mir gestern Abend den ersten Teil von „Die Grenze“ zumindest teilweise an (Der dritte Teil von „Flash Forward“ war mir dann doch wichtiger…). Trotzdem muss ich sagen, dass ich positiv von dem Fernsehfilm überrascht war.

Gut, bei der Ausgangskonstellation hat man vielleicht ein klein wenig dick aufgetragen – eine weltweit konzertierte terroristische Aktion ist vielleicht gar nicht vonnöten, um unsere Republik aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die „Wirtschafts- und Finanzkrise“ mag den gleichen Zweck erfüllen – Einbruch von Absatzmärkten, Firmenschließungen, Massenarbeitslosigkeit; Menschen, die keine Hoffnung mehr haben, was ihre Zukunft betrifft. Das sind die Situationen, in denen sich die Gesellschaft für gewöhnlich radikalisiert, da sich die Verlierer dieser Entwicklung schnelle und endgültige Lösungen herbeisehnen.
Die weltweite Krise als Ausgangspunkt war jedoch insofern ein guter Kniff, als dass sich der gesellschaftliche Erosionsprozess sich (spekulativ) beschleunigen ließ. Akzeptiert man einmal diesen Ansatz, so ist festzustellen, dass die Filmmacher nicht „überrissen“ haben und alle weiteren Stationen der Entwicklung durchaus im Bereich des Realen liegen. Dass eine, im Film DNS (Deutsche Nationale Sammlung?) genannte, rechtsradikale Partei in solch einer Situation starken Zulauf erhält und zur echten Gefahr für die Demokratie wird, ist mehr als nur eine pessimistische Vision.
Selbstverständlich kann ein Film niemals alle Entwicklungen genau so darstellen, wie sie sich vollziehen. Die Kürze der Zeit und die Nachvollziehbarkeit verlangen, dass sich die wichtigsten Ereignisse in einem überschaubaren Personenkreis kristallisieren. Das mag manchmal ein bisschen viel erscheinen, ist aber mit filmischen Mitteln kaum anders umzusetzen. „Die Grenze“ stürzt an diesem Grad nicht ab, sondern hält das Gleichgewicht – keine leichte Übung bei solch einem heiklen Thema! Zumal der Film in Deutschland, in unsr aller Lebenswirklichkeit spielt, in die wir selbstverständlich weit mehr Einblick haben, als zum Beispiel an Orten wie Beirut, Kabul oder Daressalam.
Sehr schön zeigt der Film auch die Problem der politischen Kaste, mit der Situation umzugehen, denn wenn das Geld knapp und die Handlungsspielräume gering sind, kann man eigentlich nur etwas falsch machen. Katja Riemann stellt die Bundeskanzlerin in ihrem Dilemma glaubwürdig dar. Auch die Versuche des Verfassungsschutzes, den unangreifbar wirkenden „Führer“ der Rechten Maximilian Schnell (Thomas Kretschmann), mithilfe seines ehemaligen Weggefährten Rolf Haas (Benno Führmann) auszuhebeln, entsprechen gängiger Praxis der Geheimdienste, ebenso die Erpressung mit deren Hilfe Haas zum Mitwirken „überredet“ wird. Ob es einen Deal zwischen unserer eher konservativen Regierung und einer erstarkenden Linken geben könnte, die als Gegengewicht zur Rechten eingesetzt den Staat stabilisiert, ist zwar fraglich aber zumindest nicht unmöglich. In der Weimarer Republik hatte man umgedreht gehofft, dass die extreme Rechte die „Bolschewisten“ im Zaume hält.

Also alles in allem ein recht spannendes Fernsehereignis, dessen zweiten Teil ich heut Abend auf keinen Fall verpassen werde. Regelrechtes Lob ist SAT1 für die an den Film anschließende Dokumentation über die rechtsradikale Szene in Deutschland auszusprechen. Noch nie habe ich auf einem Privatsender (und auch nicht auf den öffentlich-rechtlichen) eine solch unaufgeregte, um ernsthafte Vermittlung von Hintergrundinformationen bemühte Sendung zum Thema gesehen. Eigentlich ist es peinlich, dass weder Film noch Doku bei ARD oder ZDF liefen, wäre die öffentlich-rechtlichen Sender doch zumindest theoretisch die bessere Plattform für solch gesellschaftliche Debatten auslösende Beiträge.

Die Website zum Film: www.die-grenze.de/