Die Zigarette – ein Accessoire der Leidenschaft

Oktober 20, 2010

In der Filmindustrie läuft es ab, wie in jeder anderen Industrie auch: Alles wird bis ins letzte Detail besprochen und nichts dem Zufall überlassen. Das gilt nicht nur für die Schauspieler mit ihren Rollen und Texten, sondern vor allen Dingen für die Gegenstände, die die Schauspieler im gesamten Film über verwenden, die sogenannten Requisiten. Von welcher Form und Farbe ist der Hut? Welches Getränk favorisiert der Hauptdarsteller? Welches Auto wird gefahren? Da das Budget für einen Film immer zu gering ist, sucht sich die Abteilung für gezielte Produktbewerbung die passenden Partner in der Industrie. Das so genannte Product Placement bringt Vorteiele für beide Seiten: Kostenersparnis für die Filmmacher, Werbung für die Produzenten. Lange Zeit war die Zigarette der beste Kandidat für diese Form des Sponsorings, doch das wachsende Gesundheitsbewusstsein und die zunehmende Intoleranz gegenüber dem Rauchen scheinen diese Epoche zu beenden.

Die Zigarette – Aus Filmen nicht wegzudenken

Die Zigarette ist nicht nur einfach ein Glimmstengel, der verglüht und in Asche aufgeht. Sie ist eine Möglichkeit, geschickt und ohne etwas sagen zu müssen, eine bestimmte Stimmung zu transportieren. Der Regisseur kann auf diese Weise gezielt die Atmosphäre aufbauen, die er für die Szenen braucht. Im einfachsten Fall ist es ein kleiner Haufen Kippen vor einem Gauner, um den Zuschauern klar zu machen, dass der Gauner an dieser Stelle schon eine Weile wartet. Aber auch viele Flirts beginnen mit einer Zigarette auf einer Party oder in einer Bar.

Die Zigarette – Bald aus dem Product Placement verschwunden?

Die weltweiten Gesundheitsorganisationen haben es mit ihrem großen Einfluss soweit gebracht, das es immer mehr Nichtrauchergesetze gibt. Fast nirgends darf man noch rauchen. Auch in Filmen wird immer stärker darauf geachtet, schwer zum Leidwesen der Tabakindustrie. Nur noch die Bösen und Verkorksten dürfen sich noch eine anstecken, die Helden aber auf gar keinen Fall mehr. Vielleicht haben wir ja Glück und irgendwann laufen die Helden von Morgen wieder mit einer Zigarette über die Leinwand – auch wenn’s dann eine Elektrische Zigarette ist.

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Transformers – Unentschiedene Matrialschlacht

Mai 14, 2010

Es gibt Filme, die „muss“ man einfach gesehen haben, um mitreden zu können. „Armageddon“ war zum Beispiel einer dieser Filme, „Independence Day“ oder „Jurassic Park“. Das sind war alles keine filmischen Meisterwerke aber so ziemlich jeder hat’s gesehen und zudem setzen die technischen Errungenschaften, die sich in diesen Filmen manifestieren, Standards für die nächsten Jahre. Neben „Avatar“, den ich bisher noch nicht angeschaut habe, zählt sicher „Transformers“ zu diesen Kinoereignissen. Im Lichtspielhaus hätte ich mir das Werk zwar nicht angeschaut, weil man da nicht umschalten kann, wenn’s zu doof wird, aber da der Film nun mal im Fernsehen lief, habe ich die Gelegenheit genutzt und mir die Transformer angetan.
Die Story an sich ist, wie nicht anders zu erwarten, recht dünn. Die Vertreter einer Roboterzivilisation landen auf der Erde, weil hier vor Jahren einer ihrer Führer gestrandet ist. Besagter Megatron ist der Anführer der bösen Decepticons und wurde vom Großvater des Haupthelden Sam Witwicky (Shia LaBeouf) im Eis der Arktis gefunden. Durch einen Zufall aktivierte Großvater Witwicky das Navigationssystem von Megatron und auf seine Brille wurden die Koordinaten des Fundortes eingebrannt. Wie sich später herausstellt, sind diese Informationen zwar nutzlos, da sich Megatron mittlerweile in einem Geheimlabor der US-Regierung befindet aber was soll’s. Auf jeden Fall sind die bösen Decepticons und ihre guten Gegenspieler, die Autobots auf der Jagd nach der Brille und so steht Sam, ein ziemlich beschränkter Teenager mit Automacke im Mittelpunkt des Geschehens. Seine Gedanken kreisen einzig darum, ein tolles Auto sein eigen zu nennen und so den Mädchen zu imponieren, namentlich der von Megan Fox gespielten Mikaela Banes. Entsprechend klischeehaft und eindimensional kommt die Figur Sam auch im Film rüber.
Seltsam empfand ich an „Transformers“ die Tatsache, dass sich der Film nicht so recht entscheiden konnte, was er denn eigentlich sein will. „Transformers“ schlingert ständig zwischen Action-, Kriegs-, Teeniefilm und Komödie hin- und her. Besonders quälend ist aus meiner Sicht die Szene, als Sam, begleitet von den Autobots, in seinem Zimmer die heiß begehrte Brille sucht, darum bemüht, dass seine Eltern nichts von dem Ganzen mitbekommen.
Im Großen und Ganzen besteht „Transformers“ aber aus aneinander gereihten Kampf- und Jagdszenen. Komplett unglaubwürdig ist die Tatsache, dass bei all den Unfällen und Schießerein nicht ein einziges Mal Blut zu sehen ist. Das ist also quasi Kriegs-Petting. Realistischerweise müssten die Leichenteile nur so durch die Gegend fliegen aber dann hätte man wahrscheinlich Probleme mit der Zensur bekommen. Außerdem wären solche Bilder sicher dem Image der Army abträglich, die den Film massiv unterstützt haben dürfte. Genau betrachtet ließe sich „Transformers“ auch als einziges Werbevideo für die US-Streitkräfte verstehen, das die Technikbegeisterung der vermutlich vorrangig männlichen Adoleszenten in die gewünschten Bahnen lenkt. Insgesamt ist der Film von massivem Product Placement durchsetzt, was auch denen auffallen dürfte, die sonst nicht auf solche Sachen achten. Die Bedürfnisse der Testosteron-Zielgruppe werden zudem von der wirklich sehr attraktiven Megan Fox „befriedigt“.
Nicht vergessen darf man, dass es sich bei den Transformers eigentlich um Spielzeugfiguren der Firma Hasbro handelt, insofern dürfte der Film auch bei einer deutlich jüngeren Zielgruppe Begehrlichkeiten wecken (welche Altersfreigabe „Transformers“ in den USA bekommen hat, weiß ich nicht), die ihre Eltern sicher mit dem Wunsch nach der DVD traktiert haben dürften. Insgesamt also rein finanziell ein gutes Geschäft.
Aus meiner Sicht wirklich sehenswert sind in erster Linie die Transformationsprozesse der Roboter. Das ist wirklich beeindruckend, wie flüssig und glaubwürdig diese Prozesse vonstatten gehen. Mir würde ein Zusammenschnitt dieser Szenen komplett genügen, aufgelockert mit einigen Bildern von Megan Fox 😉


Product Placement im Fernsehen

März 21, 2010

Bald ist es soweit (genauer gesagt am 1. April) und „Product Placement“, das gezielte Einbauen von Werbebotschaften wird im deutschen Fernsehen erlaubt. Mit anderen Worten: Der Bierbrauer X kann dem Sender Y Geld dafür geben, dass er in seiner Serie Z nicht irgendein Bier trinkt, sondern eine Marke aus dem Hause X. Das ist Sponsoring der besonderen Art, denn im Gegensatz zu direkt übermittelten Botschaften („Kauft unser Bier, denn es ist das Süffigste!“) schleicht sich die Werbeaussage beim Product Placement quasi übers Unterbewusstsein ein. Der tolle Serienstar trinkt den Gerstensaft von Firma X, also wähle ich absichtlich oder von inneren Zwängen angetrieben diese Marke beim nächsten Einkauf, um ebenfalls so hip zu sein wie mein Idol etc. Wer sich ein wenig mit Marken auskennt, der kann hier mit Begriffen wie Social Branding und Sympathiewerten reden. Das klingt gut, meint aber am Ende nichts anderes, als dass diese Werbeform dabei hilft, ein positives Image für eine Marke aufzubauen. Das Bier wird dann zum Beispiel als „erfolgreich“ oder „jugendlich“ empfunden.
Zudem ist Product Placement als Werbung recht effektiv, weil es quasi nebenbei stattfindet und die häufig als störend empfundene Werbeunterbrechung umgeht. Auch fühlen sich viele Konsumenten genervt von all diesen „das müssen sie probieren“-, „das ist ja so toll“- und „das sollten sie haben“-Ansagen der klassischen Fernsehspots.

In der Vergangenheit war es wiederholt zu „Skandälchen“ gekommen, weil gerade in öffentlich-rechtlichen Sendungen immer mal wieder das eine oder andere Produkt mit dem Etikett voran ins Bild gerückt wurde. Jetzt gibt es also klare Regelungen auch für die privaten Sender. Eine klitzekleine Hürde bleibt selbstverständlich bestehen: „Die Produkte dürfen nur aus überwiegend programmlich-dramaturgischen Gründen eingebaut werden“, Schleichwerbung bleibt verboten. Also dem Serien-Held ist nicht erlaubt zu sagen: „Ich trinke Pubsi-Cola, weil sie so toll bläht, äh schmeckt.“ Wenn er seine Brause schweigend geniest, ist alles OK.