Fernsehen im Internet

Januar 9, 2013

Anfang des Jahres sorgte die neue Gebührenordnung zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für einigen Ärger, bedeutete sie doch, dass alle Haushalte die Rundfunkgebühr zahlen müssen, auch die die das Angebot nicht nutzen sowie diejenigen, die sich bisher davor drücken konnten. Nun kann man dazu stehen, wie man will, für das Geld bekommt der Kunde etwas. Seit 3. Januar ist das Erste Deutsche Fernsehen kostenlos im Internet abrufbar. Unter live.daserste.de bzw. mobil unter m.daserste.de können Interessierte jederzeit live ins ARD-Programm schauen.

Auf dem Streaming-Zug springt momentan auch Axel-Springer auf. Der Großverlag bietet für 8,99 Euro im Monat „Serien- und Film-Highlights“ unter dem Namen „Bild Movies“ an.


Sherlock Homes 2.0

August 9, 2011

Anfangs fand ich die Idee ein wenig albern, Sherlock Homes und Dr. Watson ins London des 21. Jahrhunderts zu versetzen. Trotzdem schauten wir uns dann nach dem Tatort noch die erste Folge des BBC-Fernseh-Dreiteilers in der ARD an und ich muss gestehen, ich war sofort begeistert. Teil 2 verpasste ich leider (Wiederholung am 18.09. in Eins Festival), bei Teil 3 war ich wieder dabei.

Sherlock Homes ist ein brillanter dafür aber umso arroganter Typ, der sch hervorragend mit den modernen Techniken auskennt und der selbstverständlich auch ein iPhone sein eigen nennt. Dr. Watson ist ein eher zur Introvertiertheit neigender Ex-Soldat, der aus dem Afghanistankrieg mit einem psychischen Schaden zurück kommt. Anders als z.B. in der legendären amerikanischen Verfilmung mit Basil Rathbone und Nigel Bruce kommt Dr. Watson (Martin Freeman) hier nicht als etwas ältlicher, leicht vertrottelter Herr daher, sondern glaubwürdig als jemand, der gerade aus dem Krieg zurück kommt und mit der normalen Welt noch nicht so zurecht kommt. Auch der Scotland Yard-Inspector Lestrade (Rupert Graves), der in vielen Homes-Verfilmungen als Lachnummer herhalten musste, wird als durchschnittlicher Typ gezeigt.

Während Sherlock Homes also bisher immer als fast väterlicher Besserwisser auftrat, ist seine moderne Version – dargestellt von Benedict Cumberbatch – ein über den Dingen stehender hyperaktiver Schnösel, der seinen Mitmenschen gern zeigt und sagt, wie dumm sie eigentlich sind. Nicht gerade die Voraussetzungen dafür, zum Sympathieträger zu werden und trotzdem gelingt es der Figur zu faszinieren. Das liegt vor allem an der Geschwindigkeit, mit der Homes durch die Story eilt und die dem Zuschauer eigentlich nei Zeit lässt, sich dem hinzugeben, was viele an Krimis fasziniert: dem Mitraten. Holmes 2.0 ist – wie auch sein traditioneller Vorfahr – dem Zuschauer immer soweit voraus, dass der nur staunend da stehen und zum Schluss applaudieren kann. Die Macht der großartig inszenierten Bilder tut zu dieser Überwältigung ihr Übriges.

Typisch auch für britisches Produktionen ist der feine und sehr schwarze Humor von Sherlock Homes. So sorgen die Andeutungen über die sexuelle Ausrichtung des Detektivs und den verzweifelten Versuche Watsons, nicht als sein Liebhaber zu gelten, erheiternd. Auch der misanthropische Zug Holmes sorgt für ein Schmunzeln. Er gibt vor, kein Interesse an Menschen zu haben, nur an dem Fall, an seiner Arbeit. So herrscht er einmal in „Das große Spiel“ Watson an, auf die potentielle Gefahr für eine mit Sprengstoff behängten Geisel an, dass alle sterben müssen und immer irgendwo gestorben wird. Und Recht hat der Mann – für Sentimentalitäten ist keine Zeit.

Vielleicht ist es aber genau diese Kälte des neuen Sherlock Holmes, die das Eis nicht so hundertprozentig schmelzen lässt. Die Filme sind großartig aber doch ein bisschen zu viel Oberfläche. Wie auch viele aktuelle Hollywood-Produktionen, die zwar mit kraftvollen Bildern aber völlig gefühllos daherkommen und dies dann mit „emotionalen Geschmacksverstärkern“ wie schaurig-schmalziger Musik kompensieren müssen. Ich kann’s nicht so recht erklären, warum, doch am Ende der Filme war ich immer ewtwas unzufrieden. Keine Ahnung, woran das liegt. Über psychologisch plausible Deutungen würde ich mich freuen…


Die letzten 30 Jahre – 90 sehr lange Minuten

November 25, 2010

Angekündigt war der Film (24.11.2010, 20.15h in der ARD) als „eine ungewöhnliche Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der Studentenbewegung der 1970er Jahre bis in die Jetztzeit“ und als „humorvoll“. Tatsächlich sah ich dann einen Film, der sich wie zähe Suppe dahinzog und der mich nicht ein einziges Mal zum Schmunzeln brachte. Die Figuren – von den Haupthelden Resa und Oskar bis in die Nebenrollen – blieben über die ganze Filmstrecke blass, ihr Handeln war kaum nachvollziehbar. So fehlt zum Beispiel jede Leidenschaft und damit Glaubwürdigkeit, wenn es Streit zwischen Resa und Oskar gibt. Alles wirkt seltsam distanziert, als wenn sich selbst Drehbuchschreiber und Regisseur nicht näher an die beiden herangetraut hätten. Während Resa als Anwältin, die sich vor allem der Gerechtigkeit verschrieben hat, in sich immerhin konsistent erscheint, bleibt der Wandel Oskars vom Revoluzzer zum saturierten Lobbyisten der Energiewirtschaft dem Zuschauer ein Rätsel.
Zudem tauchen immer wieder Szenen auf, anhand derer die Protagonisten wohl skizziert werden sollen, die aber keinerlei Wirkung entfalten. Eine symptomatische Szene ist die, als Oskar nach dem Tod seines Vaters, mit dem er im Streit lag, abends im elterlichen Haus steht und eine Zigarette raucht. Seine Mutter kommt die Treppe herunter, weil sie auch nicht schlafen kann und fragt ihn, ob sie ihm auch einen Tee machen soll. Er lehnt ab. Sicher kann man vermuten, dass auf diese Weise gezeigt werden sollte, dass Mutter und Sohn keinen Draht zueinander finden aber sicher gibt es dafür bessere Bilder. So fragt sich der Zuschauer nur – was sollte das jetzt?
Unglaubwürdig ist auch das Szenario, dass Resa keinerlei Lebenszeichen von Oskar, der zwischenzeitlich untergetaucht war, finden konnte, obwohl der wie sie als Anwalt tätig und immer noch in der Bundesrepublik ansässig war. Nicht einmal den Namen hatte der „Verschwundene“ geändert. Sieht so echte Leidenschaft aus? Wohl kaum. Zum Glück kommt es wenigstens nicht zu einem Happy End, bei dem sich Resa und Oskar wieder in die Arme fallen. Woher auch – wahre Liebe ist ja keine im Spiel.

Alles in allem ein sehr müdes Stück „Unterhaltung“. Wer sehen will, wie man Zeitgeschichtliches wirklich witzig und unterhaltsam verarbeiten kann, dem empfehle ich „Wir Enkelkinder“ von und mit Bruno Jonas.


Frisch auf den Müll – Doku heute abend 23.30h im ARD

Oktober 21, 2010

„Mehr als die Hälfte der Lebensmittel landet im Müll – allein in Deutschland sind das jedes Jahr bis zu 15 Millionen Tonnen. Woran liegt es, dass einwandfreie Nahrungsmittel einfach weggeworfen werden? Und welche Auswirkungen hat die Wegwerfmentalität beispielsweise auf das Klima? Filmemacher Valentin Thurn hat sich auf internationale Spurensuche begeben.“
(Quelle: ARD Hier ist die Dokumentation auch online verfügbar, ebenso wie weitere Links zum Thema)

Ein Interview mit dem Fimemacher gibt es bei Heise zu lesen.


Heut abend: ARD-Komödie zur deutschen Einheit

September 29, 2010

„Pünktlich zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit ziehen die Medien alle Register. Filme, Dokumentationen und Reportagen sind auf fast allen TV-Sendern zu sehen. Einen Beitrag der besonderen Art steuert die ARD am 29. September (20.15 Uhr) zum Jubiläum bei: Die Komödie Keiner geht verloren nimmt sich des Themas Wiedervereinigung augenzwinkernd an und kommt letztlich zum Schluss, dass vor allem zwischen Berlinern und Bayern immer noch eine Menge Dinge zu klären sind.“ (Quelle)

Ich habe mir die Ankündigung nicht durchgelesen und werde mir den Film heute abend völlig unbelastet anschauen. Meine Meinung dazu gibt’s dann in den nächsten Tagen hier.


Kaltes Herz – Tatort real

März 22, 2010

Das Thema war einigermaßen heikel, in einer Zeit, in der das Stichwort Kindesmissbrauch quasi täglich in den Medien zu finden ist. Doch bei aller Brisanz – der Missbrauch an sich ist sicher ein verhältnismäßig seltenes Phänomen gegenüber der Vernachlässigung von Kindern bzw. der Tatsache, dass gerade im Teenager-Alter viele Kindern ihren Eltern entgleiten.
Im Tatort „Kaltes Herz“ ging es um den ersteren Fall: Im Zentrum stand eine junge, völlig überforderte Mutter, in deren Wohnung ein Jugendamtsmitarbeiter ermordet wurde. Das Kind, das der Beamte abholen wollte, saß hinter verschlossener Tür, während die Mutter mit Freundinnen feiern war. Als die Polizei am Tatort eintraf, war von der vierjährigen keine Spur mehr zu finden. Des Mordes und der Entführung verdächtigt wurde unter anderem der von der Mutter getrennt lebende Vater, doch im Laufe der Geschichte kamen auch andere potentielle Täter ins Spiel. Und die ganze Zeit blieb die Ungewissheit, ob das Mädchen noch lebt. So wurde die Öffnung einer Gefriertruhe zu einer echten Zerreißprobe für die Nerven, schließlich wurde nicht erst eine Kinderleiche in solch einem Vorratsbehältnis gefunden…
Bis fast zum Ende des Films dauerte es, bis klar wurde, worin der eigentliche Grund für den Mord bestand: Ein Kollege vom Jugendamt hatte sich des Betruges schuldig gemacht und das Opfer war dabei, diesen Betrug aufzudecken. Die Idee: Das Amt vermittelte Kinder in Pflegefamilien, abgerechnet wurde aber der dreifach höhere Preis für einen Heimplatz. Die Differenz teilten sich Pflegeeltern und Jugendamtsmitarbeiter.
Der Film zeigte sehr schön ein von Gewalt und Elend (nicht unbedingt materiell, mehr intellektuell) geprägtes Milieu, abseits jedoch vom typischen Hartz-IV-Klischee. Im Gegenteil – den Schreibern gelang es, die Motive jedes Einzelnen Beteiligten an diesem Drama plausibel und nachvollziehbar zu erzählen. Da war weder für Sozialromantik noch für Vorverurteilung Platz. Richtig „schlechte Menschen“ gab es keine. Selbst der Herr Helbig vom Jugendamt, der sich schlussendlich als Mörder herausstellte, zeigte in einem finalen Ausbruch, dass er mit seinem Job einfach nur überfordert war. „Ich wollte doch nur raus. Ich habe das nicht mehr ausgehalten, all diese Not und dieses Elend. Und man kann nichts verändern…“
Und dies war nur die Spitze des Eisberges, denn eigentlich ging es allen Figuren des Filmes so, sie waren der gesellschaftlichen Realität nicht gewachsen. Das ist weniger ein Armutszeugnis für die Menschen, als viel mehr für die Gesellschaft selbst. Den Tatort-Machern muss man hingegen bescheinigen, dass sie alles richtig gemacht haben: Mit „Kaltes Herz“ ist es ihnen gelungen, eine spannende Krimistory mit realistischen Figuren und Einblicken in die weniger erfreulichen Bereiche der marktliberalen Lebenswelt und somit gute Unterhaltung mit Anspruch zu verbinden. Ich wünschte mir mehr solche Tatorte, dann würde ich die Krimiserie auch wieder öfter anschauen. In letzter Zeit war mir da viel zu viel Konstruiertes dabei…

PS: Den Tatort-Machern gelang es sogar, ein nicht kitschig wirkendes Ende zu finden, ohne Tränen und Reue. Das verschwundene Mädchen war die ganze Zeit in Sicherheit bei einer mütterlichen Freundin des Kindsvaters gewesen…


Monitor auf dem Monitor

Juli 24, 2009

Monitor ist sicher nicht die Vorzeige-Sendung im Fernsehen, wenn es um den Einsatz digitaler High-End-Technik geht. Ist aber auch nicht so schlimm, denn das Magazin ist eine der besten politischen Sendungen auf den deutschen Kanälen und die Website kann sich sehen lassen. Dort kann jeder ansehen, was er verpasst hat oder sich ins Gedächtnis zurückrufen will.
Auf der Startseite und unter Rückschau lassen sich sowohl das gesamte Magazin abspielen als auch die einzelnen Beiträge. Als wäre dies noch nicht genug, gibt es die Inhalte sogar Wort für Wort zum nachlesen! Natürlich reicht das Archiv nicht edlos zurück – das „zeitnahe“ Nachholen ist notwendig. Umso älter der Beitrag ist, umso weniger ist davon noch im Netz zu finden (sonst bräuchte man wahrscheinlich einen eigenen Server-Park). Der datenintensive Film verschwindet zuerst, dann die schriftliche Zusammenfassung und zu guter letzt bleibt nur noch die Übersicht der Themen.
Zusätzlich bietet die Website unter anderem ergänzende Beiträge (Extra), einen Weblog, die Vorstellung des Teams und ein Forum. Letzteres ist etwas unübersichtlich, denn man kann den Kommentar des Schreibers kaum von den Randinformationen unterscheiden. Eine farbliche Abhebung und die Listung der einzelnen Beiträge untereinander wäre nicht schlecht. Ist aber Wurscht, letztendlich geht’s eh um die journalistischen Inhalte. Und die sind sowohl im TV als auch im Netz bestens recherchiert und präsentiert. Gute Sache und immer einen und mehrere Blicke wert.

Im Fernsehen alle drei Wochen
Donnerstag 21:45 – 22:15 Uhr
ARD