Wider die bösen Filesharer – Oder wem nützt die Schließung von MegaUpload

Ich gestehe, ich habe noch nie Filme aus dem Internet geladen. Zum einen bin ich technisch nicht so bewandert, als dass ich nicht befürchten müsste, mir irgendwelche Schadsoftware einzufangen. Zum anderen ist es mit den Filmen ähnlich wie mit den Musikstücken – fängt man einmal mit dem Download an, ist man irgendwann nur noch am „saugen“, anschauen bzw. anhören kann man sich das so Gesicherte dann jedoch kaum noch, weil es schlicht und ergreifend einfach zu viel wird.
Ich will an dieser Stelle gar nicht die unselige Diskussion zum Urheberrecht aufmachen. Selbstverständlich ist es illegal, sich Filme kostenlos aus dem Netz herunterzuladen, es sei denn der Rechteinhaber selbst macht dies möglich oder gestattet dies z.B. einer bestimmten Plattform. Ausnahmen bilden die Filme, bei denen die Rechte bereis ausgelaufen sind. So kann man bei Archive.org über eine Million rechtefreie Filme downloaden, logischerweise sind das nicht die neuesten Hollywood-Blockbuster, sondern vor allem Klassiker und fast vergessene Perlen der Filmgeschichte.

Nun aber zum eigentlichen Thema und das heißt konkret MegaUpload. Die Filesharing-Plattform galt bis zu ihrer Abschaltung als einer der größten „Umschlagplätze“ für illegal kopierte Filme. Die Film- und Rechteindustrie beklagte hohe Verluste und sorgte dafür, dass dem Treiben ein Ende bereitet wurde. Eine Studie der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Jörg Claussen und Christian Peukert kam jedoch zu einem Ergebnis, das den Größen der Branche wenig gefallen dürfte: Die Abschaltung von MegaUpload hat sich auf die Kinoeinnahmen gar nicht, eventuell sogar negativ ausgewirkt. In einem Interview für die Süddeutsche Zeitung erläutern Claussen und Peukert ihre Ergebnisse. Zentrale These darin: Mainstream-Filme haben von der Abschaltung profitiert, für kleine Filme wirkt sich der Mangel an Vorab-Informationen negativ aus, da auch die wichtige „Mundpropaganda“ wegfällt. Eine Argumentation, die mir sinnvoll erscheint. Hinzu kommt, dass sich kleine Filme oftmals anspruchsvolleren Themen widmen, so dass sich für den Cineasten eine Zweitbegutachtung im Kino lohnt. Während viele Blockbuster auch mit grandiosen digitalen Effekten kaum über die schwachbrüstige Story hinwegtäuschen können. Man denke da nur an den Hollywood-Streifen „The Incredible Hulk“, der 2008 viele Fans des grünen Superhelden enttäuschte.
In Summe stellt die Schließung von Filesharing-Börsen insbesondere für echte Cineasten bzw. Musikliebhaber den größten Verlust dar, denn oftmals sind die nämlich genau nicht auf der Suche nach dem heißesten Scheiß, sondern nach den kleinen Perlen in der großen braunen Masse. Wer zum Beispiel einen australischen oder norwegischen Film haben will, der es hier nicht mal in die Kinos geschafft hat oder vielleicht nur auf ein, zwei Festivals lief, dem bleibt nur, sich für teures Geld (wenn vorhanden) die DVD aus dem Ausland schicken zu lassen. Und dass können sich nicht alle Filmfans leisten bzw. auch die, die nicht so aufs Geld achten müssen, kaufen die Katze nicht unbedingt im Sack.

Fazit. Lässt man mal die Rechtesituation außer Acht, hilft die Schließung der Filesharing-Börsen vor allem den großen Produktionsfirmen, denn ein wichtiger aber nicht so lautstark beworbener Teil des Angebots verschwindet vollständig vom Radar der potentiellen Kundschaft.

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