Der (voraussichtlich) letzte Streich der Olsenbande

Zu DDR-Zeiten gehörten die Olsenbande-Filme zu den absoluten Kino-Kassenschlagern. Woran das lag, lässt sich heute nur schwer sagen. Zum einen wohl daran, dass die dänischen Komödien – neben Filmen von Pierre Richard und Louis de Funès) zu den wenigen Filmen gehörten, die es aus dem NSW (nicht-sozialistisches Wirtschaftsgebiet) auf die ostdeutschen Leinwände schafften. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass die schrägen Charaktere der Streifen große Sympathie genossen: der einfallsreiche aber etwas größenwahnsinnige Egon, der weinerliche aber gutherzige Kjeld und der lebenslustige aber schusselige Benny und ein ganzes Ensemble weiterer liebenswerter Figuren von Kjelds überdrehter Ehefrau Yvonne und seinem schlauen Sohn Børge, der so gar nicht nach dem Vater kommt, über die tollpatschigen Polizisten Mortensen und Jenssen bis hin zum genial-chaotischen Dynamit-Harry und dem fiesen, häufig nach Egons Leben trachtenden „Dummen Schwein“. Die wahrhaft bösen Gestalten der Olsenbande-Filme sind aber meist aalglatte Geschäftsleute und Politiker, die ihren dunklen Machenschaften im Schutz von Macht und Gesetz nachgehen. Die Olsenbande als echte „working class“-Vertreter wehrt sich mit ihren Mitteln gegen diese Gauner, was sicher auch zur Popularität gerade im Osten beigetragen haben dürfte.
Nicht minder wichtig für den Erfolg der dänischen Kleinganoven war der unglaubliche Erfindungsreichtum von „Bandenchef“ Egon immer wieder für Freude sorgte. Wer erinnert sich nicht an all die Beutezüge des Trios, bei dem mit minimalem Einsatz und perfektem Timing Panzer geklaut, Hochsicherheitssysteme überlistet oder finstere Gangster ausgetrickst wurden. Eines der Highlights der Serie ist sicher die Szene in „Die Olsenbande sieht rot“, in der Egon, Benny und Kjeld sich während eines Konzertes durch die Wände der Garderoben im Königlichen Theater hämmert, bohrt und sprengt – immer perfekt im Takt – um letztendlich eine kostbare Vase zu entwenden.

„Der (voraussichtlich) letzte Streich der Olsenbande“ entstand bereits 1974 als sechster Film der Reihe. Da der Film als Abschluss der geplant war, glückt der Olsenbande diesmal sogar ihr großer Coup, was die Drehbuchautoren aber nicht daran hinderte, später da weiter zu machen, wo die Filme bisher immer endeten: Egon sitzt im Knast und wird bei der Entlassung von seinen Kumpels Benny und Kjeld abgeholt. So beginnt auch dieser Film (nach einer kurzen Sequenz auf Mallorca, wo Egon Dank Yvonnes Fehler von der spanischen Polizei auf frischer Tat bei einem Einbruch erwischt wird). Als Egon aber diesmal aus dem Knast kommt, warten bereits der Geschäftsmann Holm-Hansen jr. Auf ihn, der für den Gentleman-Gauner einen Job hat. Egon fühlt sich zu höherem berufen und lässt seine Freunde einfach stehen. Sein Auftrag führt ihn in die Schweiz, wo er einen Safe, Franz-Jäger, Berlin, öffnen soll. In diesem hatte ein kürzlich verstorbener Geschäftspartner Holm-Hansens die gesuchten Bedford-Diamanten verwahrt. Egon löst seien Aufgabe ohne Probleme wird dann aber bei eingeschalteter Alarmanlage zurückgelassen. Es gelingt ihm trotzdem zu entkommen und eingeschlossen auf der Toilette eines Zuges nach Tagen wieder nach Kopenhagen zurückzukehren. Wieder einmal ist Egon „verarscht“ wurden. Seinen Kollegen ging es nicht viel besser; bei einem dilettantischen Einbruch in ein Kiosk erbeuteten sie ein kleines Trinkgeld statt des großen Hauptgewinns. Man findet also wieder zusammen und Egon sinnt auf Rache.
Die Bedford-Diamanten sollen an ein paar reiche Ölscheichs verkauft werden – das Geschäft wird in der Kopenhagener Börse abgewickelt. Auf dem Rückweg zum Flughafen klaut die Olsenbande die Diamanten mit Hilfe eines Busses, ein paar Ballons, eines kleinen Bootes mit überlangem Fahnenmast. Später geht Egon mit den Diamanten zu Holm-Hansen und es gelingt ihm mit einem Trick, das Geld (15 Millionen Dollar) einzusacken, währen der Bankier, der die Polizei bereits informiert hat, auf den gesuchten Diamanten sitzen bleibt. So geht diesmal der echte Schurke ins Gefängnis, Egon, Benny und Kjeld dürfen samt Anhang in den Urlaub fliegen…

Im Detail zu erzählen, wie die Olsenbande den Plan umsetzt, ist nicht sinnvoll, das muss man gesehen haben. Dabei ist allerdings darauf zu achten, dass man die ostdeutsche Synchronvariante erwischt. Einmal hatte ich das Pech eine westdeutsche zu sehen und das war eine echte Katastrophe. Im Westen war die Dänen „Massenware“ und so hatte man sich keine allzu große Mühe bei den Dialogen gegeben, die meist dümmlich statt witzig ausfielen. (Zudem ist es sowieso schwer, wenn bekannte Figuren plötzlich mit anderer Stimme sprechen.)

Sicher, der Humor der Olsenbande-Filme ist ein wenig antiquiert. Gelegentlich schaue ich mir die Komödien aber gern mal wieder an, auch weil sie ein Stück Kindheitserinnerung sind.

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