Salami Aleikum

Gestern Abend lief auf 3sat der deutsche Film „Salami Aleikum“. Obwohl ich Sachse bin, bin ich kein großer Wolfgang Stumph-Fan, trotzdem schaute ich mir den Film an. Keine schlechte Entscheidung, wie sich herausstellen sollte.

„Salami Aleikum“ ist eine Geschichte über die große Liebe, das Aufeinandertreffen von Kulturen, Tristesse und Hoffnungen. Allzu tiefgründig wird der Film dabei nicht, schließlich handelt es sich um eine Komödie. Trotz des tiefen Griffs in die Klischeekiste gelingt es den Machern, Verständnis für das Verhalten aller Figuren zu zeigen und diese nicht zu denunzieren. So richtig unsympathisch ist hier, anders als im realen Leben aber keiner.

Worum geht’s? Mohsen ist Ende zwanzig und wird von seinem Vater für einen Versager gehalten. Er soll irgendwann die elterliche Schlachterei übernehmen, kann aber kein Blut sehen. Er ist eher ein Schöngeist, liebt es sich in Bollywood-Traumweltwen zu flüchten, wenn das reale Leben mal wieder zu anstrengend wird und strickt gegen den Stress. Um zu beweisen, dass er doch die ihm zugedachte Aufgabe erfüllen kann, will Mohsen nach Polen fahren und dort preisgünstig Schafe kaufen.
Er standet in Oberniederwalde, ein kleines Dorf im ostdeutschen Nirgendwo, das seine besten Zeiten längst hinter sich hat. Die alte Textilfabrik rottet vor sich hin und doch haben die Dorfbewohner die Hoffnung nicht aufgegeben, dass dort wieder produziert werden kann und sie so wieder eine Arbeit finden. Ganz vorne dran bei denen, die sich eine goldenen Zukunft erträumen ist der Vater von Ana. Mohsen trifft die Ex-Kugelstoßerin, groß, blond, kräftig, in die er sich sofort verliebt. Um der Vegetarierin nicht vor den Kopf zu stoßen, erzählt Mohsen, sein Vater sein im Textilgeschäft tätig, worauf bei Anas Vater die Hoffnung aufkeimt, mit dem „reichen Textilunternehmer“ endlich den Schlüssel für den wirtschaftlichen Aufschwung in der Hand zu halten. Als auch noch seine Eltern im dicken Mercedes vorfahren nehmen die Dinge ihren unglückseligen Gang. Mohsen bleibt nichts übrig, als die Legende immer weiter zu spinnen und die bunte Seifenblase wächst und wächst, bis sie endlich platzt. Mohsen gibt aber nicht auf und kämpft um die Liebe seiner Ana. Am Ende gibt es ein Happy End mit orientalischer Märchenhochzeit.

Sicher kann man „Salem Aleikum“ vorwerfen, nicht allzu realistisch zu sein. Auf der anderen Seite gelingt es dem Film mit seinen Stereotypen doch, die Figuren gut nachvollziehbar zu machen. So wirken auch manche ausländer- oder ossifeindlichen Sprüche nicht so hart, wei in einem realen Film, sondern entlarven sich als das, was sie sind: hohle Formeln zur Abwehr des Andersartigen. Wie in einem guten Märchen zeigen sich auch diejenigen, die die meiste Zeit eher unsympathisch erschienen als gute Menschen, so wenn Mohsens Vater Anas Vater erzählt, dass er immer nur übertriebene Geschichten erzählt, weil seine Phantasie das Einzige war, was er Jahre zuvor nach Deutschland mitbrachte.
Ganz besonders gelungen fand ich an Mohsens Figur den Einfall, dass der jungenhaft wirkende Mann sich immer wieder als weiser Berater anderer zeigt, so wenn er der Friseuse einen entscheidenden Satz sagt, der später ihr Leben verändern wird. Mohsen ist sicher eher ein Träumer als ein Philosoph, doch genau das hebt ihn so heraus: Er sieht mit dem Herzen. Und in Ana hat er sein Gegenstück gefunden auch wenn eigentlich alles gegen diese Beziehung spricht.

Humorvolles Wohlfühlkino für die ganze Familie.

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