Sherlock Homes 2.0

Anfangs fand ich die Idee ein wenig albern, Sherlock Homes und Dr. Watson ins London des 21. Jahrhunderts zu versetzen. Trotzdem schauten wir uns dann nach dem Tatort noch die erste Folge des BBC-Fernseh-Dreiteilers in der ARD an und ich muss gestehen, ich war sofort begeistert. Teil 2 verpasste ich leider (Wiederholung am 18.09. in Eins Festival), bei Teil 3 war ich wieder dabei.

Sherlock Homes ist ein brillanter dafür aber umso arroganter Typ, der sch hervorragend mit den modernen Techniken auskennt und der selbstverständlich auch ein iPhone sein eigen nennt. Dr. Watson ist ein eher zur Introvertiertheit neigender Ex-Soldat, der aus dem Afghanistankrieg mit einem psychischen Schaden zurück kommt. Anders als z.B. in der legendären amerikanischen Verfilmung mit Basil Rathbone und Nigel Bruce kommt Dr. Watson (Martin Freeman) hier nicht als etwas ältlicher, leicht vertrottelter Herr daher, sondern glaubwürdig als jemand, der gerade aus dem Krieg zurück kommt und mit der normalen Welt noch nicht so zurecht kommt. Auch der Scotland Yard-Inspector Lestrade (Rupert Graves), der in vielen Homes-Verfilmungen als Lachnummer herhalten musste, wird als durchschnittlicher Typ gezeigt.

Während Sherlock Homes also bisher immer als fast väterlicher Besserwisser auftrat, ist seine moderne Version – dargestellt von Benedict Cumberbatch – ein über den Dingen stehender hyperaktiver Schnösel, der seinen Mitmenschen gern zeigt und sagt, wie dumm sie eigentlich sind. Nicht gerade die Voraussetzungen dafür, zum Sympathieträger zu werden und trotzdem gelingt es der Figur zu faszinieren. Das liegt vor allem an der Geschwindigkeit, mit der Homes durch die Story eilt und die dem Zuschauer eigentlich nei Zeit lässt, sich dem hinzugeben, was viele an Krimis fasziniert: dem Mitraten. Holmes 2.0 ist – wie auch sein traditioneller Vorfahr – dem Zuschauer immer soweit voraus, dass der nur staunend da stehen und zum Schluss applaudieren kann. Die Macht der großartig inszenierten Bilder tut zu dieser Überwältigung ihr Übriges.

Typisch auch für britisches Produktionen ist der feine und sehr schwarze Humor von Sherlock Homes. So sorgen die Andeutungen über die sexuelle Ausrichtung des Detektivs und den verzweifelten Versuche Watsons, nicht als sein Liebhaber zu gelten, erheiternd. Auch der misanthropische Zug Holmes sorgt für ein Schmunzeln. Er gibt vor, kein Interesse an Menschen zu haben, nur an dem Fall, an seiner Arbeit. So herrscht er einmal in „Das große Spiel“ Watson an, auf die potentielle Gefahr für eine mit Sprengstoff behängten Geisel an, dass alle sterben müssen und immer irgendwo gestorben wird. Und Recht hat der Mann – für Sentimentalitäten ist keine Zeit.

Vielleicht ist es aber genau diese Kälte des neuen Sherlock Holmes, die das Eis nicht so hundertprozentig schmelzen lässt. Die Filme sind großartig aber doch ein bisschen zu viel Oberfläche. Wie auch viele aktuelle Hollywood-Produktionen, die zwar mit kraftvollen Bildern aber völlig gefühllos daherkommen und dies dann mit „emotionalen Geschmacksverstärkern“ wie schaurig-schmalziger Musik kompensieren müssen. Ich kann’s nicht so recht erklären, warum, doch am Ende der Filme war ich immer ewtwas unzufrieden. Keine Ahnung, woran das liegt. Über psychologisch plausible Deutungen würde ich mich freuen…

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