Der Mann mit der Schärpe

Manchmal hat Schlaflosigkeit ihre Vorteile. So zum Beispiel kam ich gestenr Nacht in den Genuss der „Il cambio della guardia“ oder zu deutsch: „Der Mann mit der Schärpe“. Hauptdarsteller des Filmes sind der französische Komiker Fernandel und sein italienischer Kollege Gino Cervi, die als „Don Camillo und Peppone“ eines der lustigsten Filmpaare der Geschichte abgeben.

Während bei den „Don Camillo“-Filmen Fernandel den Priester und Cervi den kommunistischen Bürgermeister gibt, tauschen die beiden in „Der Mann mit der Schärpe“ quasi politisch die Rollen: Cervi spielt Mario Vinicio, den faschistischen Bürgermeister, Fernandel Attilo Capallero, einen gewieften Wirt und Kritiker des Regimes. Wie auch bei ihrer bekanntesten Rolle sind die beiden ein ungleiches Paar, die politisch nicht verschiedener sein könnten, die aber trotz aller Widersprüche eine herzliche Männerfreundschaft verbindet.

Die Handlung spielt 1944, kurz vor dem Einzug der Amerikanischen Truppen im faschistischen Italien. Vinicio, der wohl vor allem Parteimitglied geworden ist, weil er sich davon Vorteile versprochen hat, merkt auch diesmal rechtzeitig, dass sich der Wind dreht und will den Posten an Capallero abtreten, vor allem, um sich selbst aus der Schusslinie zu bringen. Capallero willigt ein, nicht ohne jedoch von Vinicio die Erlaubnis zu erwirken, dass dessen Tochter und Capalleros Sohn Gianni endlich heiraten dürfen. Die örtlichen Faschisten machen unter Führung des linientreuen Virgili den Plänen einen Strich durch die Rechnung und Gianni entgeht nur Dank eines Tricks dem Wehdienst.
Doch als gäbe es nicht schon genug Ungemach, ist kurze Zeit später der verhasste Parteibonze Crippa tot und Vinicio und Capallero, verdächtigen sich erst gegenseitig und geraten später auch noch in die Schusslinie der Faschisten. Wie es den beiden gelingt aus dieser Situation unbeschadet herauszukommen ist ein echter Genuss. „Der Mann mit der Schärpe“ ist eine großartige Politsatire mit dem Traumpaar Fernandel/Cervi, das sich gekonnt die Bälle zuspielt, zwei wie Katz und Maus, die aber auch nicht ohne einander auskommen. Gute Unterhaltung mit Köpfchen und moralisch ohne Zeigefinger… Gibt’s heute irgendwie nur noch selten, oder?

Hier ein Ausschnitt aus einem der Don Camillo & Peppone-Filme:

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