Birdy

Gleich zweimal habe ich vergangene Woche diesen großartigen Film von Regisseur Alan Parker, gedreht nach einem Buch des US-Autors William Wharton, gesehen. Die DVD hatte ich mir eher „by accident“ gekauft, gab es den Film von 1984 doch im Billig-Doppelpack mit „Taxi Driver“. Zum Glück, denn sonst wäre mir dieses großartige Werk vielleicht entgangen.

„Birdy“ erzählt von der Freundschaft zweier Männer, die sich seit ihren Jugendtagen kennen. Da ist Al, der Frauenheld und Draufgänger und „Birdy“, ein sensibler, eher stiller Junge, der vom Fliegen träumt. Während Al sich vor allem auf das andere Geschlecht konzentriert, richtet Birdy Brieftauben ab, züchtet Kanarienvögel, bastelt Fluggeräte und versucht, sich selbst in die Lüfte zu schwingen. Al interessiert dies zwar weniger, doch er hilft seinem Freund wo er kann, wenn er ihn auch manchmal für verrückt hält. Und tatsächlich geht Birdy in seinem unstillbaren Freiheitsdrang ganz nah bis an die Grenzen…

All die Ereignisse einer mehr oder weniger glücklichen Jugend werden in Rückblenden – in Gesprächen und Erinnerungen – erzählt, denn der Film beginnt Jahre später, als Al und Birdy verletzt aus dem Vietnamkrieg zurück gekehrt sind. Vor Als Gesicht ist eine Granante explodiert und er hat Angst, sich nicht wieder zu erkennen, wenn er den Verband abnimmt. Birdy hingegen, der während eines Hubschraubereinsatz „verloren ging“ und einen Monat im Dschungel verbrachte, hat sich komplett von der Umwelt abgeschirmt. Er spricht mit Niemandem, verweigert fast vollständig die Nahrungsaufnahme und starrt die meiste Zeit nur aus dem Fenster.

„Birdy“ lebt von einer poetisch erzählten Story, den fantastischen Bildern Parkers – allein die Tieraufnahmen und die dahinter stehenden Dressurleistungen sind sehenswert – sowie Dank der schauspielerischen Leistungen von Nicolas Cage. Titelheld und Zentrum des Film ist jedoch der unglaubliche Matthew Modine (Birdy), der übrigens auch in Full Metal Jacket mitgespielt hat (als Private Joker). Als „Birdy“ bringt er dem Zuschauer seinen Traum vom Fliegen so glaubwürdig nahe, die innere Kraft und Sicherheit, mit der Birdy dieses Ziel verfolgt, dass man die Figur einfach lieben muss. Dass das Fliegen dabei eine Metapher für die Sehnsucht nach der Flucht aus den beengten und chancenlosen Verhältnissen ist, wird spätestens beim ersten Traumflug Birdys klar. Der Realität des Krieges entgeht Birdy jedoch erst nicht und dann nur durch die totale Verweigerung, dem Rückzug aus dem „normalen“ Leben. Er versteht die Menschen nicht mehr, will statt dessen ein Vogel sein.

Nach zahllosen vergeblichen Versuchen zu Birdy Kontakt aufzunehmen, und gegen den Willen des Militärpsychiaters gelingt es Al letztendlich, Birdy wieder zurückzuholen, nicht jedoch, ohne sich selbst die Sinnlosigkeit seines „Krieg-Abenteuers“ eingestehen zu müssen: „Wir haben nicht gewusst, worauf wir uns einlassen mit diesem John-Wayne-Scheiß…“ Das Ende des Films ist jedoch Hollywood-untypisch kein happy end, sondern offen. Denn beide stehen auf dem Dach des Militärkrankenhauses, nachdem sie aus Birdys Zelle geflohen sind. Werden sie in den Tod springen oder wird man sie ihr Leben lang in der Psychiatrie einsperren? Oder gibt es einen guten Ausweg? Diese Frage beantwortet „Birdy“ nicht und das ist gut so.

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