Nerviger Talk

Persönlich sehe ich eher selten Talk Shows, vor allem weil mir die meist einfach zu flach sind. Schließlich geht es den Gästen vor allem darum, ihre neuen Produkte (Bücher, CDs, Sendungen etc.) zu promoten und die Frager sind oftmals nur zahm. Bei politischen Themen schreien sich die Kontrahenten hingegen meist nur an und die Moderatoren haben eher selten die Traute, einem Polit-Promi ins Wort zu fallen. Erkenntnisgewinn bringt das nur selten. Trotzdem sind die Shows ganz erfolgreich, das ARD will gleich wieder mehrere dieser Sendungen ins Programm hieven.

Mit großartigen Talk Mastern ist Deutschland nicht gerade gesegnet. Das emnid-Insitut hat die deutschen Zuschauer befragt, welcher Vertreter dieser Gattung der nervigste ist und das Ergebnis deckt sich auch mit meinen eigenen Ansichten, insbesondere was Platz 1 betrifft: Johannes B. Kerner. Ein echter Schmierlappen, wenn Ihr mich fragt. Wenn ich den Kollegen reden, höre wird’s mir übel. Dabei finde ich, dass Kerner journalistisch nicht mal so schlecht ist und es ganz gut versteht, seine Gäste zu „öffnen“ – also zum Reden zu bringen. Darin besteht ja gerade bei „Normalos“ die hohe Kunst. Gäbe er sich nicht so über den Dingen stehend und pseudo-mitfühlend, wären manche seiner Sendungen richtig gut. Dass es sein Kollege Beckmann (Kerner vs. Beckmann bei Switch reloaded) nicht unter die Top 3 geschafft hat, verwundert mich etwas. Über ihn ließe sich Ähnliches sagen. Statt dessen findet sich Frau Will auf Platz zwei, die mir vor allem als wenig durchsetzungsstark in Erinnerung geblieben ist. Ihre Talk Show endet regelmäßig in wildem Geschrei. Frank Plasberg (Platz zwei bei den beliebtesten Moderatoren) ist da bei „Hart aber fair“ wesentlich konsequenter und würgt penetrante Labertaschen auch schon mal ab. Das ist auch richtig so, denn ganz ohne Regeln funktioniert solch ein Sendungskonzept nicht. Und schließlich will der Zuschauer die Argumente beider Seiten hören.

Barbara Schönberger als Nummer 3 der Nervensägen durfte ich noch nicht als Talk Tante erleben. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass ihre überdrehte Art weder bei Zuschauern noch bei Gästen gut ankommt.

Von den Top 3 der guten Talk Master kannte ich zwei bisher nicht: Bettina Böttinger vom „Kölner Treff“ und das Duo Giovanni di Lorenzo / Judith Rankers von „3 nach 9“. Di Lorenzo ist mir nur als Zeit-Heraus- und Helmut Schmidt-Stichwortgeber bekannt. Letzteres spricht nicht gerade für ihn als Vertreter eines kritischen Journalismus.

Als Sachse muss ich natürlich noch auf meine persönliche Nerv-Favoritin hinweisen: Ulrike Nitschke und ihre biedere Betroffenheitssendung „Unter uns“.

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