Waltz with Bashir

Einen der beieindruckendsten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe, ist „Waltz with Bashir“ von Ari Folman. Der israelische Regisseur verarbeitet darin seien Erlebnisse als junger Soldat bei der Besetzung des Libanon. Anstatt einer klassischen Dokumentation setzt Folman auf die Technik des Zeichentrick. Das macht aus den schrecklichen Kriegsbildern nicht etwa eine Disney-Idylle, im Gegenteil. Die zum Teil surrealistischen Szenen, die starken Farben und die düstere Grundstimmung machen „Waltz with Bashir“ zu einem bedrückenden Meisterwerk, das den Zuschauer auch emotional erreicht.
Ausgangspunkt des Filmes ist ein nächtliches Kneipengespräch zwischen Folman und einem Freund und ehemaligen Kriegskameraden. Der erzählt dem Regisseur von einem Alptraum, der ihn seit Jahren plagt. Dabei geht Folman auf, dass er die Ereignisse seit über zwanzig Jahren verdrängt hat und er begibt sich auf eine Reise, um seine Erinnerungen aufzufrischen.

In den Gesprächen mit anderen Leidensgefährten tauchen immer wieder alptraumhafte Bilder aus der Vergangenheit auf, grausame Schlachtengemälde, die die Sinnlosigkeit des Krieges illustrieren. Die Übertragung in das Trickfilmmedium zeigt hier ihre größten Stärken: Statt auf fotografische Genauigkeit zu setzen, wird die Bildsprache auf das Wesentliche beschränkt. Die apokalyptisch anmutenden Szenen erhalten dadurch einen ungeheure Intensität. Sicher könnte man die Geschehnisse auch auf herkömmliche Art nachspielen aber als Trickfilm wirkt das Ganze noch bedrohlicher, vielleicht auch, weil wir uns längst an die (realen) Bilder der Gewalt gewöhnt haben.

Am Schluss wird klar, warum Folman und sicher auch viele seiner Mitstreiter, allen Grund hatten, die Ereignisse und damit ihre Schuldgefühle zu verdrängen. „Waltz with Bashir“ endet mit Realfilmaufnahmen von den Massakern in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila, die von christlichen Milizen unter „Aufsicht“ der Israelis an muslimischen Palästinensern verübt wurden. Als moderner Mensch ist man ja viel gewohnt und die Empathie ist reichlich abgestumpft, doch was man hier zu sehen bekommt, ist schon ein starkes Stück Grausamkeit. Ich für meinen Teil war wütend und habe geheult…

„Waltz with Bashir“ zeichnet sich durch eine sehr eigenwillige Herangehensweise an einen zeitgeschichtliches Thema aus. Anstatt mit Originalaufnahmen etc. möglichst viel Authentizität zu erzeugen, verlagern Folman das Geschehen vollkommen ins Fiktive. So als wollte er sagen: Meine Erinnerungen können mich trügen, doch die Massaker hat es wirklich gegeben. Dies beweisen die Realfilmaufnahmen. Doch der Film ist keine Anklage im eigentlichen Sinn, mehr eine Bestandsaufnahme, deren Ergebnis den Regisseur selbst ungläugig und zweifelnd zurück lässt. Am Ende stellen sich ihm und dem Zuschauer untergründig die Fragen, die sich viele Soldaten wohl stellen werden: Was hatten wir dort zu suchen? Warum haben wir nichts gegen Mord und Totschlag getan? Eine Antwort gibt „Waltz with Bashir“ nicht…

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One Response to Waltz with Bashir

  1. Ephraim sagt:

    Weiß nicht, ich habe es so verstanden, daß die Soldaten etwas tun wollten, aber nicht ohne Billigung der Hierachie.

    Das ging hinauf bis zu Ariel Scharon, der, nachdem er kontaktiert wurde, dies nur zur Kenntnis genommen haben soll, nicht sofort Anweisungen gab.

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