Die letzten 30 Jahre – 90 sehr lange Minuten

Angekündigt war der Film (24.11.2010, 20.15h in der ARD) als „eine ungewöhnliche Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der Studentenbewegung der 1970er Jahre bis in die Jetztzeit“ und als „humorvoll“. Tatsächlich sah ich dann einen Film, der sich wie zähe Suppe dahinzog und der mich nicht ein einziges Mal zum Schmunzeln brachte. Die Figuren – von den Haupthelden Resa und Oskar bis in die Nebenrollen – blieben über die ganze Filmstrecke blass, ihr Handeln war kaum nachvollziehbar. So fehlt zum Beispiel jede Leidenschaft und damit Glaubwürdigkeit, wenn es Streit zwischen Resa und Oskar gibt. Alles wirkt seltsam distanziert, als wenn sich selbst Drehbuchschreiber und Regisseur nicht näher an die beiden herangetraut hätten. Während Resa als Anwältin, die sich vor allem der Gerechtigkeit verschrieben hat, in sich immerhin konsistent erscheint, bleibt der Wandel Oskars vom Revoluzzer zum saturierten Lobbyisten der Energiewirtschaft dem Zuschauer ein Rätsel.
Zudem tauchen immer wieder Szenen auf, anhand derer die Protagonisten wohl skizziert werden sollen, die aber keinerlei Wirkung entfalten. Eine symptomatische Szene ist die, als Oskar nach dem Tod seines Vaters, mit dem er im Streit lag, abends im elterlichen Haus steht und eine Zigarette raucht. Seine Mutter kommt die Treppe herunter, weil sie auch nicht schlafen kann und fragt ihn, ob sie ihm auch einen Tee machen soll. Er lehnt ab. Sicher kann man vermuten, dass auf diese Weise gezeigt werden sollte, dass Mutter und Sohn keinen Draht zueinander finden aber sicher gibt es dafür bessere Bilder. So fragt sich der Zuschauer nur – was sollte das jetzt?
Unglaubwürdig ist auch das Szenario, dass Resa keinerlei Lebenszeichen von Oskar, der zwischenzeitlich untergetaucht war, finden konnte, obwohl der wie sie als Anwalt tätig und immer noch in der Bundesrepublik ansässig war. Nicht einmal den Namen hatte der „Verschwundene“ geändert. Sieht so echte Leidenschaft aus? Wohl kaum. Zum Glück kommt es wenigstens nicht zu einem Happy End, bei dem sich Resa und Oskar wieder in die Arme fallen. Woher auch – wahre Liebe ist ja keine im Spiel.

Alles in allem ein sehr müdes Stück „Unterhaltung“. Wer sehen will, wie man Zeitgeschichtliches wirklich witzig und unterhaltsam verarbeiten kann, dem empfehle ich „Wir Enkelkinder“ von und mit Bruno Jonas.

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