Two And A Half Men

Eine meiner amerikanischen Lieblingsserien ist „Two And A Half Men“. Klar, die Serie spielt in einer Parallelwelt – die Menschen hier haben keinerlei echte Sorgen, sie wohnen in einem schicken Haus am Strand, sie gehen in schöne Restaurants, haben immer Geld und fahren tolle Autos. Doch mit Sozialkitsch hat das Ganze nicht zu tun, es geht vielmehr, wie bei „Eine schrecklich nette Familie“ um die Hassliebe von Menschen, die miteinander verwandt sind. In bitterbösen und giftigen Dialogen macht man sich gegenseitig fertig und hält den Finger stets in die offene Wunde des Anderen. Der für amerikanische Verhältnisse recht offene Umgang mit Sexualität gibt dem Ganzen zudem noch eine witzig-delikate Note. Trotzdem mag man sich wohl, sonst würde „Two And A Half Man“ stets in einem Blutbad enden. Was schade wäre, denn trotz der eher beschränkten Variation in der Handlung, ist die Serie immer wieder witzig.
Eingangs getroffene Beschreibung trifft bei genauer Betrachtung nur auf die eine Hauptfigur, auf Charlie Harper zu, seines Zeichens Werbejingle-Komponist und Playboy mit ständig wechselnden Frauenbekanntschaften. Sein etwas jüngerer Bruder, Dr. Alan Harper, Chiropraktiker, ist hingegen nicht so ein Glückspilz. Seine Ehe ist gescheitert und Judith, seine Ex ist ein echtes Luder, das ihn finanziell „auszieht“ und bei jeder Gelegenheit demütigt. Nach der Scheidung hat Alan mit seinem pubertierendem Sohn Jake in Charlies tollem Haus Asyl gefunden. Hier ist er ständig den sarkastischen Angriffen seines Bruders ausgesetzt und muss zudem noch mit ansehen, wie Charlie ständig die heißesten Frauen anschleppt, während sein Sexualleben eine Katastrophe ist.
Charlie ist echtes „Schwein“, der die Frauen nur ausnutzt und dann fallen lässt. Trotzdem kann ihm der Zuschauer Dank seines jungenhaften Charmes kaum böse sein, zumal auch immer wieder anklingt, dass der Macho trotz aller Abenteuer nicht wirklich glücklich ist und seine Zweifel häufig in Alkohol ertränkt. Auch hier zeigt sich die „irreale“ Ebene der Serie – weder sieht man Charlie seien Exzesse an, noch kommt er jemals in die Bedrängnis, seine Liebschaften geschwängert zu haben und so Konsequenzen tragen zu müssen.
Alan ist eigentlich der nette Kerl, der nach der großen Liebe sucht. Uneingeschränkt sympathisch ist aber auch er nicht, da er sich häufig wie ein kompletter Trottel verhält und mit seiner pedantischen, rechthaberischen Art seine Mitmenschen komplett nervt. Ihm merkt man mehr als seinem Bruder an, dass er einen leichten Sprung in der Schüssel hat.
Wesentlich dafür verantwortlich sein, dürfte Evelyn, Charlies und Alans Mutter. Die attraktive Dame im besten Alter ist zu keinerlei echter emotionaler Bindung fähig und behandelt ihre Kinder ebenso wie ihre Männer stets von oben herab. Sie ist so etwas wie eine Überlebende der Yuppie-Generation, kalt, berechnend, erfolgreich.
So hat sie auch für ihr Enkelkind Jake nicht allzu viel übrig, den sie wie Vater Alan für einen Versager hält. Zumindest in dieser Beziehung hat sie nicht ganz unrecht, denn Jake ist ein nicht allzu schlauer, übergewichtiger Teenager, der quasi nur zwei Interessen kennt: Fernsehen und Essen. Onkel Charlie findet er cool, seinem Vater gegenüber ist er meist vorlaut, wie jeder Teenager.
Regelmäßig mit von der Partie sind noch Berta, Charlies korpulente und resolute Haushälterin, die mit ihren Spitzen den Streit zwischen den Brüdern und ihrer Mutter zusätzlich anfacht. Obwohl „nur“ Haushälterin, ist Berta eigentlich die Chefin im Haus. Ohne sie geht nichts und wenn ihr einer der Gäste nicht passt, dann sorgt sie dafür, dass der bald wieder verschwindet.
Ebenfalls erwähnenswert und neben Berta eine meiner Lieblingsfiguren ist Nachbarin Rose. Gelegentlich steigt sie ungefragt über den Balkon ein, um Charlie nahe zu sein, in den sie unsterblich verliebt ist. Ihre Liebe hat manische Züge angenommen, lange Zeit verfolgte sie ihn als Stalkerin auch Schritt und Tritt. Rose ist eine niedliche, die aber auch richtig fies sein kann: Charlie bekam dies zu spüren, als er sei, wie all seine Liebschaften fallen ließ. Rose klebte ihm daraufhin, seinen Hodensack am Unterschenkel fest. Diese Begebenheit findet immer wieder Erwähnung auch wenn Charlie und Rose, die er als Verrückte betrachtet, mittlerweile fast ein geschwisterliches Verhältnis haben.
Alles in allem ist „Two And A Half Men“ nette Unterhaltung ohne allzu viel Tiefe. Wie bei eingangs erwähnter Sitcom „Eine schrecklich nette Familie“ bezieht die Serie ihren Reiz aus der Gehässigkeit und den Sticheleien unter den Protagonisten, die der Zuschauer mit Schadenfreude genießen kann. Das „reiche“ Ambiente trägt eher noch dazu bei, dass dieser Genuss besonders groß wird, denn eigentlich haben Charlie, Alan, Jake und die anderen keine echten Probleme. Menschlich sind sie alle jedoch eine echte Katastrophe – der Zuschauer kann sich jedoch entspannt zurücklehnen, mit dem Wissen, dass es ihm besser geht. Wer in ähnlich lieblosen Verhältnissen lebt, wird über „Two And A Half Men“ wohl kaum lachen können. Alle anderen amüsiert es vortrefflich, wenn sich die eher simplen, eindimensionalen Charaktere all die Dinge an den Kopf werfen, die man aus Rücksicht seinen Liebsten nicht sagen und die man von ihnen auch nicht gerne hören möchte. Insofern ist „Two And A Half Men“ das ideale Ventil für familiären Beziehungsstress.

Da sich die Videos leider nicht einbinden ließen, hier nur ein Link auf youtube.

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