2012 – Das Ende ist nah

Auch wenn ich nicht christlich geprägt bin, das Thema Apokalypse bzw. Weltuntergang hat mich schon immer gereizt. Als es jetzt vor einiger Zeit den Emmerich-Film „2012“ preiswert in einem Drogeriemarkt gab, griff ich zu, um mir das Werk anzuschauen. Ob sich die Ausgabe gelohnt hat – darüber bin ich mir noch nicht so recht im Klaren.
Die „Handlung“ des Films ist ausführlich in der Wikipedia beschrieben, weshalb ich hier nicht unbedingt darauf eingehen will. Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Film abseits der Showeffekte unglaublich altbacken ist, mit holzschnittartigen Charakteren.

Ein wenig unglücklich fad ich den Ausgangspunkt der finalen Katastrophe – erhöhte Sonnenaktivitäten. Da hätte ich mir doch schon eher ein vom Menschen gemachtes Unglück gewünscht, so die Explosion einer Atomrakete in einem unterirdischen Silo oder dergleichen. Naja, das ging dann wohl nicht, schließlich hätte dies zu einer Diskussion um die Sicherheit der Atomwaffen in den USA führen können und das hätte Roland Emmerich sicher nicht gewollt. Schließlich macht er keine Politik, sondern Unterhaltung.
OK, die Sonneneruption führt zu einer Erwärmung des Erdinneren, was zunehmende Vulkanausbrüche, Erdbeben und eine Veränderung der Magnetfelder zur Folge hat. Hauptheld Jackson Curtis (John Cusack) ist ab dem Zeitpunkt, zu dem sich die Ereignisse zu beschleunigen beginnen eigentlich immer mittendrin. Mal muss er mit dem Auto durch das Chaos einer zusammenstürzenden Welt entfliehen, mal mit dem Flugzeug. Diese Momente gehören tricktechnisch definitiv zu den stärksten des Films und trotz einer gewissen Skepsis an der Realitätsnähe kann sich der Zuschauer kaum der Spannung entziehen. Einer der Tiefpunkte des Films ist die Szene, in der Curtis versucht, das im Startvorgang befindliche Flugzeug zu erreichen, in dem seine Ex samt Kindern und neuem Lebenspartner sitzt. Hinter Curtis reißt der Boden auf und er stürzt in den Abgrund. In bester 50er-Jahre-Manier ist dann zu sehn, wie sich der Held wieder aus dieser Bredouille befreit, langsam erst seine Hand zu sehen ist und dann Curtis selbst, wie er sich wieder nach oben zieht, mit einem Hintergrundbild, wie es hätte auch aus besagter Zeit stammen können. Für mich war dies mehr ein ironisches Zitat als eine wirklich „Ernst“ gemeinte Szene.
Reichlich albern sind auch die Szenen, wie die fast schon Geretteten im Bauch einer riesigen Arche herumirren und Dank ihrer Unachtsamkeit dafür sorgen, dass das Boot die Landeklappe nicht schließen kann. Nachgerade hirnverbrannt zu sehen, wie Curtis unter Wasser ein Kabel (?) aus dem Mechanismus entfernt und so die Situation bereinigt.

Neben all dem gequirlten Unsinn positiv hervorzuheben, ist die Emmerichsche Lust an der Zerstörung. Da fällt der Vatikan zusammen (sehr schön, wie sich im berühmten Bild Michelangelos der Riss zwischen Gott und Mensch frisst), der Eifelturm kippt, der Jesus von Rio de Janeiro stürzt – quasi jedes Wahrzeichen der „zivilisierten“ Welt muss dran glauben. Man wünschte sich diese Konsequenz hinsichtlich der Figuren. Dass der neue Mann von Kate Curtis dahinscheidet, ist nur einem späteren Happy End geschuldet.

Inhaltlich eine Stärke des Films ist, die Frage zu stellen, wer denn nun gerettet wird, falls sich solch eine Katastrophe abzeichnet. Und dreimal darf der geneigte Zuschauer raten, wer das wohl sein wird? Richtig – es sind die Reichen und Mächtigen, die den Rest der Menschheit sich selbst überlassen, getreu dem Grundsatz: Wozu die Leute beunruhigen, retten können wir sie sowieso nicht. Der „Akt der Menschlichkeit“, Dank dem noch einige Tausend vor den Toren Stehende in die Schiffe eingelassen werden, ist hingegen nichts als Sozialkitsch, ebenso wie die Rede von Wissenschaftler Helmsley (Chiwetel Ejiofor), mit der er die Staatsmänner zu dieser Handlung auffordert. Denkt man ernsthaft über das Thema nach und folgt der Annahme, dass nur eine begrenzte Zahl an Menschen überlebt, so sollten eigentlich vor allem Wissenschaftler und andere Geistesgrößen sowie besonders gesunde und reproduktionsfähige Individuen gerettet werden. Politiker gehören sicher zu keiner der beiden Gruppen. Es sei denn, sie haben das Zeug zu „guten Diktatoren“, denn in einer Situation des Untergangs sind starke Führungspersönlichkeiten, die im entscheidenden Moment Entschlüsse fassen und deren Umsetzung vorantreiben können sicher von Vorteil.

Gut gelöst fand ich die Idee mit den Schiffen – hätte doch jeder Science-Fiction-Fan erwartet, dass sich die verbleibenden Menschen mit Raum-Schiffen retten würde. Doch entscheidet man sich für das biblische Modell und baut riesige Archen, wobei man auch nicht vergisst, Tiere mit an Bord zu nehmen.

Das Ende des Films hat fast schon politischen Charakter. Während die ganze Welt untergegangen ist, ist ein Kontinent fast unberührt geblieben: Afrika, der vergessene Kontinent, die Wiege der Menschheit. Ein deutliches Zeichen dafür, dass ein Neuanfang möglich ist. Hoffe wir, dass, wenn alles so kommen sollte, wie Herr Emmerich sich das vorstellt, die Afrikaner Nachsicht zeigen und uns auf ihren Kontinent lassen, denn sonst müssen die letzten Vertreter der westliche Zivilisation bis ans Ende ihrer Tage auf dem Meer herumschippern. 2012, wir kommen!

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