Tod eines Präsidenten

Gestern Abend war ich einigermaßen überrascht, als ich den Fernseher einschaltete. Auf 3sat lief der Film „Tod eines Präsidenten“, eine fiktive Story, erdacht vom britischen Regisseur Gabriel Range, die die Geschichte eines Attentats auf George W. Bush erzählt. Der mittlerweile Ex-Präsident stirbt bei diesem Attentat, Vize Dick Cheney tritt seine Nachfolge an.
„Tod eines Päsidenten“ ist im typischen Stil einer Dokumentation aufgebaut, in der die Protagonisten zu Wort kommen, der Personenschützer vom Secret Service, der FBI-Mann, der den oder die Täter sucht, die Redenschreiberin aber auch „Betroffene“ von der anderen Seite, Demonstranten, Tatverdächtige etc. Dabei hält sich der Film so nah an die Realität, wie nur irgend möglich. Für die Rekonstruktion der Ereignisse werden vorhandene Aufnahmen genutzt bist hin zum offiziellen Staatsbegräbnis aber auch Bilder von Anti-Bush-Demonstrationen in Chicago. Dieser Kunstgriff macht „Tod eines Präsidenten“ absolut glaubwürdig und manchmal erschreckend realistisch – wüsste man es nicht besser, könnte man glauben, die Geschichte habe sich wirklich so zugetragen.
Der Film ist dabei alles andere als eine phantastische Spinnerei, denn Range hält sich in seinem Szenario klar an die vorhersehbaren Reaktionen des Apparates. Dazu gehört die Einführung eines Patriot 3-Actes, also eines weiteren Ausbaus der polizeilichen Machtbefugnisse, der es möglich macht, potentiell Verdächtigen grundlegende demokratische Rechte zu entziehen. Auch das ist nicht wirklich fiktiv, schließlich hat die US-Regierung nach dem 11. September gezeigt, was alles „zum Wohle der nationalen Sicherheit“ möglich ist. So wurden „Terrorverdächtige“ ohne Chance auf ein ziviles Gerichtsverfahren eingesperrt.
Im Film trifft es einen Muslimen namens Zirik, der zufällig in dem Büro anwesend ist, von dem aus geschossen wird. Dummerweise war der syrische Staatsbürger schon einmal in Pakistan und von dort aus in Afghanistan in einem der Al-Qaida-Camps. Als Zirik dann sah, was dort wirklich passiert, nämlich strengster militärischer Drill mit dem Ziel Märtyrer aus den so Geschulten zu machen, verletzt er sich absichtlich und darf wieder nach Hause fahren. Mit dieser Geschichte ist der Syrer, mit dessen Land die USA im Klinch liegen, natürlich Hauptverdächtiger Nummer 1. Einmal in den Mühlen von Polizei und Justiz kommt er nicht wieder auf freien Fuß, obwohl sich die Hinweise verdichten, dass ein Anderer das Attentat zu verantworten hat. Auch dies ist alles andere als unwahrscheinlich.
Die große Stärke des Films sind die „Interviews“ mit den staatlichen Funktionären, die sich in ihren Aussagen als fanatische Anhänger der Macht entlarven, und für die wie für die Redenschreiberin Politik nur eine Art Spiel ist, bei dem es darum geht, die meisten Sympathiepunkte beim amerikanischen Volk zu sammeln, ohne Rücksicht darauf, was andernorts zum Beispiel durch einen Krieg angerichtet wird.

Alles in allem eine sehr realistische und erschreckende Vision, die zeigt, dass sich die geschichtlichen Läufe manchmal sehr schnell ändern können…

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