Musikvideos – von lustig bis politisch

Es gab mal eine Zeit, in der spielten Sender ausschließlich Musikvideo. Heutzutage laufen auf MTv & Co. meist nur alberne „Doku-Soaps“ und Teenieverblödungssendungen. Ob überhaupt noch jemand Musikvideos schaut? Keine Ahnung, ich eigentlich nicht mehr. Im Netz macht das Dank der Ruckelei meist nicht viel Spaß…

Heute sind mir gleich zwei richtig gute Videos untergekommen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Das eine stammt von Evelyn Evelyn, dem Seitenprojekt der Dresden Dolls-Sängerin Amanda Palmer. Das Video ist mit einfachsten Mitteln gemacht – mit Handpuppen aus Stoff. Allzu viel geschieht nicht, außer, dass die siamesischen Zwillinge Evelyn & Evelyn auf einem Elefanten durch die Gegend reiten nicht aber da der Song dem Inhalt nach eher ein Kinderlied ist, passt auch die Form dazu. Der gewollte Dilettantismus und die fröhlich quietschbunte Gestaltung erfreuen auch das Herz Erwachsener. Da sieht man mal wieder ganz deutlich, wie einfach es eigentlich ist, zu unterhalten.

Das Video zu “Born Free“ von M.I.A. ist hingegen das ganze Gegenteil. Ästhetisch könnte das Ganze aus einem Kinofilm stammen – die Plattenfirma hat beim Dreh sicher nicht gekleckert, sondern geklotzt. Thematisch könnte man kaum weiter vom Kinderlied entfernt sein, denn hier geht es quasi um die krassen Zustände in einer (Militär)Diktatur. Dass man gerade die Rothaarigen als Feinde auserwählt hat, ist wohl hauptsächlich als Metapher zu verstehen, manche Details verweisen auf den Nordirland-Konflikt (so das Graffiti an der Wand). Letztendlich geht es darum, dass die hier brutal von Uniformierten Zusammengetriebenen anders sind, sich durch irgend ein Merkmal von der Masse unterscheiden. Und wenn es nur das der roten Haare ist. Die Künstlerin will damit sicher auch die Willkürlichkeit der „Selektion“ darstellen.

M.I.A, Born Free from ROMAIN-GAVRAS on Vimeo.

Der Clip hat für einigen Wirbel gesorgt und wurde bei youtube umgehend verbannt. Man kann darüber streiten, ob dieser Streifen zu hart ist aber ehrlich gesagt habe ich im „normalen Fernsehprogramm“ schon Härteres gesehen. Die Musik, die ein wenig an Atari Teenage Riot erinnert, macht nicht allein die Durchschlagskraft des Videos aus. Es ist vor allem sein Macher: „Romain Gavras ist nicht nämlich irgendein Videoclip-Regisseur. Er ist der Sohn von Constantin Costa-Gavras, der sich im Paris der späten sechziger und frühen siebziger Jahre mit Filmen wie „Z“ und „Der unsichtbare Aufstand“ einen Namen als politisch engagierter Thriller-Regisseur gemacht hat.“ (Quelle)

Gavras sorgte schon einmal für Aufsehen. Im Video zur Single „Stress“ von Justice zeigte er Ausschreitungen junger Immigranten in Paris. Der Vollständigkeit halber hier auch dieses Video:

Sowas sieht man in der Glammer-Popwelt natürlich nicht gern…

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One Response to Musikvideos – von lustig bis politisch

  1. flimmerstunde sagt:

    Aus irgendwelchen Gründen lässt sich das Vimeo-Video nicht einbinden aber der Link funktioniert…

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