Die Grenze

Die Ankündigung versprach ja wieder mal einen dieser albernen Reißer abseits aller Realität, trotzdem schaute ich mir gestern Abend den ersten Teil von „Die Grenze“ zumindest teilweise an (Der dritte Teil von „Flash Forward“ war mir dann doch wichtiger…). Trotzdem muss ich sagen, dass ich positiv von dem Fernsehfilm überrascht war.

Gut, bei der Ausgangskonstellation hat man vielleicht ein klein wenig dick aufgetragen – eine weltweit konzertierte terroristische Aktion ist vielleicht gar nicht vonnöten, um unsere Republik aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die „Wirtschafts- und Finanzkrise“ mag den gleichen Zweck erfüllen – Einbruch von Absatzmärkten, Firmenschließungen, Massenarbeitslosigkeit; Menschen, die keine Hoffnung mehr haben, was ihre Zukunft betrifft. Das sind die Situationen, in denen sich die Gesellschaft für gewöhnlich radikalisiert, da sich die Verlierer dieser Entwicklung schnelle und endgültige Lösungen herbeisehnen.
Die weltweite Krise als Ausgangspunkt war jedoch insofern ein guter Kniff, als dass sich der gesellschaftliche Erosionsprozess sich (spekulativ) beschleunigen ließ. Akzeptiert man einmal diesen Ansatz, so ist festzustellen, dass die Filmmacher nicht „überrissen“ haben und alle weiteren Stationen der Entwicklung durchaus im Bereich des Realen liegen. Dass eine, im Film DNS (Deutsche Nationale Sammlung?) genannte, rechtsradikale Partei in solch einer Situation starken Zulauf erhält und zur echten Gefahr für die Demokratie wird, ist mehr als nur eine pessimistische Vision.
Selbstverständlich kann ein Film niemals alle Entwicklungen genau so darstellen, wie sie sich vollziehen. Die Kürze der Zeit und die Nachvollziehbarkeit verlangen, dass sich die wichtigsten Ereignisse in einem überschaubaren Personenkreis kristallisieren. Das mag manchmal ein bisschen viel erscheinen, ist aber mit filmischen Mitteln kaum anders umzusetzen. „Die Grenze“ stürzt an diesem Grad nicht ab, sondern hält das Gleichgewicht – keine leichte Übung bei solch einem heiklen Thema! Zumal der Film in Deutschland, in unsr aller Lebenswirklichkeit spielt, in die wir selbstverständlich weit mehr Einblick haben, als zum Beispiel an Orten wie Beirut, Kabul oder Daressalam.
Sehr schön zeigt der Film auch die Problem der politischen Kaste, mit der Situation umzugehen, denn wenn das Geld knapp und die Handlungsspielräume gering sind, kann man eigentlich nur etwas falsch machen. Katja Riemann stellt die Bundeskanzlerin in ihrem Dilemma glaubwürdig dar. Auch die Versuche des Verfassungsschutzes, den unangreifbar wirkenden „Führer“ der Rechten Maximilian Schnell (Thomas Kretschmann), mithilfe seines ehemaligen Weggefährten Rolf Haas (Benno Führmann) auszuhebeln, entsprechen gängiger Praxis der Geheimdienste, ebenso die Erpressung mit deren Hilfe Haas zum Mitwirken „überredet“ wird. Ob es einen Deal zwischen unserer eher konservativen Regierung und einer erstarkenden Linken geben könnte, die als Gegengewicht zur Rechten eingesetzt den Staat stabilisiert, ist zwar fraglich aber zumindest nicht unmöglich. In der Weimarer Republik hatte man umgedreht gehofft, dass die extreme Rechte die „Bolschewisten“ im Zaume hält.

Also alles in allem ein recht spannendes Fernsehereignis, dessen zweiten Teil ich heut Abend auf keinen Fall verpassen werde. Regelrechtes Lob ist SAT1 für die an den Film anschließende Dokumentation über die rechtsradikale Szene in Deutschland auszusprechen. Noch nie habe ich auf einem Privatsender (und auch nicht auf den öffentlich-rechtlichen) eine solch unaufgeregte, um ernsthafte Vermittlung von Hintergrundinformationen bemühte Sendung zum Thema gesehen. Eigentlich ist es peinlich, dass weder Film noch Doku bei ARD oder ZDF liefen, wäre die öffentlich-rechtlichen Sender doch zumindest theoretisch die bessere Plattform für solch gesellschaftliche Debatten auslösende Beiträge.

Die Website zum Film: www.die-grenze.de/

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One Response to Die Grenze

  1. flimmerstunde sagt:

    Die taz findet den Film übrigens ziemlich blöd. War aber auch nicth anders zu erwarten: http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/die-schmerz-grenze/. Da ist der Spiegelartikel schon etwas realistischer http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,683475,00.html. Ich frage mich immer bloß, was die Herren udn Damen Redakteuere erwarten? Sicher sind eine Menge Klischees im Spiel aber iwe gesagt, so unmöglich ist das alles nicht…

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