Krieg auf der Leinwand

In Sachsen sagt man, dass jemand eine Klatsche (oder richtig ausgesprochen einen „Gladdsche“) hat, wenn man ihm bedeuten will, dass er nicht ganz richtig im Kopf ist. Insofern habe ich wahrscheinlich eine „Gladdsche“, weil ich mich schon seit meiner Kindheit / frühen Jugend für Kriegsfilme aller Art begeistere. Das hat aber nicht dazu geführt, dass ich zu einem dieser „In Stahlgewittern“-Fantasten wurde, sondern genau im Gegenteil den Krieg lieber als Fiktion bzw. Leinwandgeschehen verfolge, als mich nach einer Bewährungsprobe auf dem „Feld der Ehre“ zu sehnen.

Vor kurzem lief im Fernsehen „Unterwegs nach Cold Mountain“. Das ist zwar kein klassischer Film des Genres, doch neben einer Liebesgeschichte spielt der amerikanische Bürgerkrieg einen entscheidende Rolle. Der Kampf zwischen Nord- und Südstaaten wird in „Cold Mountain“ (Originaltitel) an einer Stelle besonders drastisch in Szene gesetzt, aus meiner Sicht eine der brutalsten Verfilmungen des Themas überhaupt, gleich nach der Normandielandung in „Saving Private Ryan“. Die Nordstaatler haben unter der Stellung der Südstaatler einen Tunnel gegraben und diesen dann gesprengt. Nach der Explosion starten die Yankees ihren Angriff und landen in einer tödlichen Falle. Durch die Sprengung ist eine Senke mit steiler Böschung entstanden, in der die Soldaten, einmal drin, kaum einen Chance haben, wieder unbeschadet heraus zu kommen. Nachdem die Südstaatler diesen Umstand bemerkt haben, beginnt ein mörderisches Abschlachten das den im Fernsehsessel sitzenden Zuschauer Dank apokalyptischer Bilder nicht unberührt lässt.

Erwähnte Landungsszene aus dem Soldat James Ryan beeindruckt vor allem durch die unmittelbare Teilnahme des Zuschauers, der quasi mit den Soldaten im Landungsboot sitzt und beim Öffnen der Klappen direkt von einer MG-Garbe getroffen wird. Beeindruckend auch der Moment der völligen Stille, während dem Captain Miller (Tom Hanks) sich desorientiert umschaut und des Grauens um ihn herum bewusst wird.

Beim Zehnteiler „Band Of Brothers“, den ich mir vor kurzem von DVD in drei Sitzungen „reinzog“, ist vor allem der Stellungskampf im belgischen Bastogne unglaublich eindrucksvoll, verdeutlicht er doch auf brutale Weise, wie wenig Einfluss die Soldaten zeitweise auf ihre Überlebenschance haben. Die Easy Company hat einen Wald besetzt und gerät dort immer wieder unter feindliches Artilleriefeuer. Die einzige Möglichkeit dies zu überstehen ist, sich möglichst tief in ein Erdloch zu verkriechen. Eine trügerische Sicherheit, denn das tiefste Erdloch hilft nichts bei einem direkten Treffer…

Alle drei Szenen sind hervorragend geeignet, um die Sinnlosigkeit des Krieges zu verdeutlichen und den „heroischen“ Gedankengängen mancher Mitmenschen einen Dämpfer zu geben. Krieg hat absolut nichts Schönes und die, die ihn äußerlich unbeschadet überleben, blieben innerlich verkrüppelt zurück.
Eine letzte Szene möchte ich noch anführen aus „Der Schmale Grat“ (The Thin Red Line). Die Wirkung des Films basiert im Wesentlichen auf dem Kontrast zwischen der Schönheit der Natur auf einer nahezu unberührten Pazifikinsel und den äußerst brutalen Kampfszenen. Symbolisch wird der Wahnsinn des Krieges auf die Spitze getrieben, als sich der Weg der schwer bewaffneten US-Marines mit dem eines Eingeborenen kreuzt, der völlig achtlos an den Soldaten vorbeiläuft, als wenn sie für ihn Luft wären (hier im Trailer kurz zu sehen). Er scheint damit sagen zu wollen: Das ist nicht meine Realität! Das ist Euer Krieg!

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2 Responses to Krieg auf der Leinwand

  1. Numanoid sagt:

    In den USA ist letzten Sonntag ein würdiger Nachfolger für Band of Brothers angelaufen.
    Nennt sich „Pacific“, ist wie BoB aufgebaut und beleuchtet den pazifischen Kriegsschauplatz aus Sicht eines Zuges US-Marines.

  2. flimmerstunde sagt:

    Danke für den Tipp! Ich werd mal schauen, ob ich im Netz der Serie ansichtig werde. Wenn’s in den Staaten gut läuft, kommt „Pacific“ ja sicher auch irgendwann zu uns.

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