Natural Born Killers

Lange Zeit lag die DVD bei mir im Schrank. Ich wusste, dass ich mir den Film, den ich kurz nach Erscheinen 1994 im Kino sah, noch einmal anschauen wollte. Aber erst gestern hatte ich Zeit und Muse dazu.
Die Handlung des Filmes lässt sich in wenigen Worten erzählen. Fleischer Mickey und die junge Mallory, die im Haushalt ihres despotischen Vaters und ihrer schwachen Mutter lebt, verlieben sich ineinander. Mit dem Auto des Vaters geht das Pärchen auf Spritztour, Mickey landet für den Diebstahl im Knast. Nachdem er Dank eines glücklichen Zufalls – als mystischer „Befreier“ fungiert ein Tornado – dem Gefängnis entfliehen kann, befreit er auch Mallory aus ihrem qualvollen Zuhause. Gemeinsam töten sie Mutter und Vater des Mädchens. Dann begeben sich die beiden in bester Road-Movie-Manier auf die Reise durch die staubigen Ebenen des Westens der USA und ziehen dabei eine breite Spur von Gewalt und Blut. Während die Polizei fieberhaft nach dem Paar sucht, werden M&M, wie sie Gefängnisdirektor (Tommy Lee Jones) später nennt, zu amerikanischen Pophelden mit einer breiten Fanschar.
Nach dem unbeabsichtigten Mord an einem alten Indianer verlässt Mickey und Mallory das Glück und sie werden einkassiert und landen im Hochsicherheitsgefängnis. Das Interview, das Mickey dem schmierigen Sensationsreporter Wayne Gale gibt, wird zum Auslöser einer Gefängnisrevolte, in deren Folge das Paar fliehen kann. Gale wird bei dieser Flucht zum Komplizen der beiden und ermordet selbst mehrere Wärter. Das rettet ihn jedoch nicht davor, von Mallory und Mickey getötet zu werden. Wie es mit den beiden weiter geht, lässt der Film offen (das alternative Ende habe ich mir obwohl auf DVD enthalten, nicht angesehen).
Das Drehbuchautor Tarantino ein Faible für Gewaltexzesse hat, dürfte kein Geheimnis sein. Doch obwohl „Natural Born Killers“ ein sehr brutaler Film ist, ist die Gewalt hier kein Selbstzweck. Sie ist das verbindende Element einer brutalisierten amerikanischen Gesellschaft, der Regisseur Oliver Stone den Spiegel vorhält. Er mischt dabei die Klischees verschiedenster Genres, von der Sitcom über besagte Road Movies bis hin zum psychedelischen 60ies-Film und erzählt somit die Geschichte des Mörderpaares als Zerrbild einer Gesellschaft, in der Medien mit Gewalt Quote machen, Polizei und Ordnungshüter sich nur durch ihre Marken von den Verbrechern unterscheiden und der einfache Bürger im modernen Circus Maximus dem Schlachtfest zujubelt – es sei denn er ist selbst von Mord und Totschlag betroffen. Ein ziemlich trostloses Bild eines einstmals stolzen und freien Landes, in dem die Saat der Gewalt aufgegangen ist. Denn Mickey und Mallory waren selbst Opfer, bevor sie zu Tätern wurden.

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